Chronik
Von der Gründung bis heute
Die Möglichkeit, in Weißwasser eine Zentrale Berufsschule für Glasmacher der Regierungsbezirke Liegnitz und Breslau einzurichten, war nicht nur für Bürgermeister Wenderoth ein ehrgeiziges Ziel. Dafür musste die Stadt ein entsprechendes Internatswohnheim bereitstellen. Am 12. Juni 1938 erfolgte durch den Bürgermeister die Grundsteinlegung für ein solches Wohnheim, dem späteren Makarenkoheim. Als sich aber herausstellte, dass die Schule nicht im geplanten Umfang aufgebaut werden konnte, wurde das neue Gebäude am Nordausgang der Stadt nach Muskau zur Jugendherberge und Hitler – Jugend – Heim bestimmt.
Das neue Hitler – Jugend – Heim sollte in großem Umfang der Kinder- und Jugend-erziehung zur Verfügung stehen. „Auf einem der anmutigsten Fleckchen von Weißwasser, wo die Stadt ihr einzigartig schönes Gesicht zeigt, liegt mitten im Grünen das Hitler – Jugend – Heim … hier kann die Jugend Erholung und Entspannung genießen, aber auch das Gemeinschaftsgefühl und die Kameradschaftsfähigkeit für einen möglichen Einsatz im Krieg erlernen …“ wurde es gepriesen. Schon Ende 1940 kamen allerdings hier Berliner Schulklassen mit ihren Lehrern unter. Das nationalsozialistische Regime war bestrebt, der Jugend etwas Besonderes zu bieten.
Erholung, kameradschaftliche Erziehung, letztere war im militärischen Einsatz wichtig, und Liebe zur Heimat. Sie sollten kennen lernen, was zu verteidigen wert ist, Weißwassers HJ – Gruppe empörte sich, denn die Nutzung des neuen Heims wurde vorrangig ihnen zugesichert. Noch nie hatte die Führung und Erziehung der Jugend solch hohen Stellenwert, noch nie erhielt die Jugend so viel Freizeitangebote und auch noch nie weilten derart viele Jugendliche als Gäste in Weißwasser, die gut versorgt und unterhalten werden sollten. Die Kulturverantwortlichen der Stadtverwaltung nutzten die reiche Sporttradition der Glasmacher und organisierten gern Wettkämpfe unterschiedlichster sportlicher Bereiche. So fand ein großes Sportfest der Jugend am 8. Juni 1941 auf dem Turnerheimplatz statt, woran 900 Jungen und 400 Mädchen teilnahmen. Erstmals kam es in der Stadt zu einem umfangreichen Jugendtreffen, was mit einem Abschiedsmarsch der Teilnehmer, angeführt von HJ – Musikkorps des Heimes, durch die Straßen endete.
Im Jahr darauf konnte bei einem weiteren Sportfest mit einer kleinen Attraktion, die Teilnahme einer Rollschuh – Abteilung, aufgewartet werden.
Ende 1942 bewohnten einige Gebietsführungsmitglieder das HJ – Heim am Stadtrand. Sie hatten die Aufgabe, die Erziehung von 70 Lehrlingen und Jungendarbeitern vorzunehmen. Diese waren im von der Stadt Weißwasser eingerichteten überbetrieblichen Jugendwohnheim (heute Soziotherapeutische Wohnstätte an der Muskauer Straße) untergebracht.
Als Weißwasser zwei Jahre später zur Verteidigung vorbereitet werden sollte, waren dazu einige militärische Einheiten in der Stadt stationiert. So wurde das HJ – Heim zum Stützpunkt des HJ – Einsatzkommandos des Kampfkommandanten von Weißwassers, SS – Sturmbandführer Graf von und zu Egloffstein. Nachdem die regulären Wehr-machtseinheiten in den Monaten Februar und März 1945 an andere Frontabschnitte verlegt wurden, blieben die Jugendlichen unter Graf Egloffstein als Verteidiger neben etwas Volkssturm und einigen wenigen Polizeibeamten allein zurück. Als der Angriff der russischen Armeen am 16. April 1945 an der Neiße begann, erhielten die Jugendlichen vom HJ – Heim aus militärische Aufgaben. Die Aufklärungsabteilung des HJ – Einsatzkommandos erhielten den Befehl, Steifzüge in der näheren Umgebung der Stadt zu unternehmen, um eventuell durch die Frontlinie „gesickerte Sowjets“ aufzuspüren.
Der Panzervernichtungstrupp dieses Kommandos hielt sich im unvollendeten Luftschutzbunker im Luther – Park, unterhalb der Eisdiele Habermann, für den Einsatz bereit. Am frühen Nachmittag dieses Tages erhielt diese Gruppe, welche den Grafen Egloffstein zum Jagdschloss begleitete, die Aufgabe, zur Panzerbekämpfung mit dem Fahrrad, ausgerüstet mit Karabinern und Panzerfäusten, zum Kromlauer Weg und zur Grünen Fichte (Landstraßeneinmündung Muskauer Straße nach Gablenz) zu fahren. Zu einer Feindberührung kam es jedoch nicht. Der Graf war zu dieser Zeit aus seinem Quartier, dem HJ – Heim, ausgezogen und erkannte bald, dass die militärische Lage für die von ihm angeführten Verteidiger Weißwasser aussichtslos war und löste sie auf.
Nach der Einnahme der Stadt Weißwasser durch die Rote Armee diente das ehemalige HJ – Heim zurückkehrenden Einwohnern als Notunterkunft. Ab 1949 wurde es der Volksbildung als „Landesheim für gesellschaftliche Erziehung schwer erziehbarer Kinder“ zur Verfügung gestellt. Der bald gegründete Chor des Kinderheimes kreierte mehrere Heimatlieder.
Am 13. März 1953 erhielt das Kinderheim den Namen des russischen Pädagogen Anton Semjonowitsch Makarenko, dessen Erziehungsmethoden die neuen Maßstäbe in der jungen DDR bilden sollten.
Mit der Darbietung interessanter Aufgaben für die Kinder und Jugendlichen und die sachkundige Begleitung für einige Jahre sollte die Erziehung dieser problembehafteten jungen Menschen zu einem vollwertigen und selbstständigen Mitglied der Gesellschaft erfolgen.
Mit der politischen Wende erhielt das Kinderheim ab dem Jahr 1991 als Kreiskinderheim eine spezielle Richtung. Es wurde als Lebensstätte für Kinder und Jugendliche, die in Zusammenarbeit mit Eltern und Jugendamt vorübergehende Erziehungshilfe erhalten. Das Fachwerkgebäude wurde bis 1995 umfangreich saniert und beinhaltet 15 Einbett- und 9 Zweibettzimmer für etwa 30 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis achtzehn Jahren.
Seit dem 1. Juni 2003 gehört das Kinderheim zum Diakonischen Werk Hoyerswerda.
Ein <<Familienzentrum>> soll das Kinderheim einmal werden, wenn die Pläne realisiert worden sind.
Im Oktober 2004 erhielt die Einrichtung in der Muskauser Straße, dessen Träger seit dem 1. Juni dieses Jahres die Stiftung Diakonisches Werk Hoyerswerda ist, einen neuen Namen.
„StattRand“ steht in großen Lettern gleich auf zwei Tafeln am Weißwasseraner Kinder-, Jugend- und Familienhaus geschrieben.
„Perspektivisch gesehen wird unser Haus nicht nur eine Nutzung als Kinder – und Jugendheim erfahren. Zukünftig hält es unter seinem Dach auch neue Angebote für Jugendliche und Familien bereit. Der neue Name „StattRand“ weist nicht auf die Lage am Rande der Stadt hin, sondern soll vielmehr bedeuten: statt am Rand mittendrin. Auch bedeutet er vielmehr Integration, nicht Ausgrenzung der Bewohner.
Das Projekt „Wohngruppe Niesky“, gibt es seit Mai 2006. Die Wohngruppe ist eine Außenstelle der gemeinnützigen StattRand gGmbH, die der Träger des Projektes ist.
Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen in Niesky und Umgebung weitest gehend ihr soziales Umfeld zu erhalten, indem sie wohnortsnah untergebracht sind.
Als weiteres Projekt entstand in enger Zusammenarbeit von Erziehungsberatungsstelle und StattRand das „Mädchenprojekt“. Dies wird einmal wöchentlich in unserem Haus durchgeführt. Dieses Projekt wurde im Rahmen eines Wettbewerbes der sächsischen Jugendstiftung „Novum“, im Juni 2006 mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Das Angebot des Hauses ist breit. Neben einem Kinder- und Jugendnotdienst, einer Erziehungsberatung und einer Internatsgruppe, gibt es seit 2006 auch eine Wohngruppe für Mütter mit geistiger Behinderung und deren Kinder. “Bei uns erwerben diese Mütter einen Elternführerschein“. Die Mütter, die alleine mit ihren Kindern nicht zurecht gekommen sind und für Erziehungsunfähig erklärt worden sind, lernen in der Einrichtung, wie sie das Leben mit Kind organisieren können. „Wir wollen ihnen eine Chance auf ein selbstständiges Leben geben. Als langfristiges Ziel hat sich das StattRand – Haus gesetzt, das Dachgeschoss umzubauen, um dort Müttern, die den Schritt in die Selbstständigkeit nicht schaffen, eine Möglichkeit zu bieten, zwar allein mit ihrem Kind zu leben, jedoch gleichzeitig von den Mitarbeitern des Hauses unterstützt werden. Nach weiteren Überlegungen wurde beschlossen, die vorhandenen Wohnräume der oberen Wohngruppe bedarfsgerecht umzugestalten.
Die Chefin Mandy Köhler, selbst Diplom-Sozialpädagogin, erzielte deutschlandweit Beachtung durch die Idee, vor allem, geistig behinderte Mütter mit deren Kinder zusammen zu betreuen.
Weitere Außenwohngruppen folgten nach 2006 in Rothenburg und Görlitz.
StattRand erhielt im Dezember 2007 eine Auszeichnung für Ihr „Mutter-Kind-Projekt“. Eine weitere große Auszeichnung erhielt StattRand mit der Aufnahme in die Liste „Land der Ideen“ 2008.
