Presse
Sächsische Zeitung vom 9.12.2011:
Wie Kinder, Jugendliche und Familien in Weißwasser betreut werden
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Lausitzer Rundschau vom 9.12.2011:
"Ich fühle mich hier wohl"
StattRand gGmbH in Weißwasser öffnet seine Türen / Neues Kochprojekt ist gestartet
Weißwasser In den Köpfen Vieler ist es immer noch das Kreiskinderheim am Rande der Stadt Weißwasser. Dass das Kinder-, Jugend- und Familienhaus viel mehr zu bieten hat, davon konnten sich die Besucher beim Tag der offenen Tür am Donnerstag überzeugen.

Am neuen Herd demonstrieren Lothar Bienst, Mandy Köhler und Gerhard Winter ihre Kochqualitäten: Das Umrühren klappt schon gut.
Der vier Monate alte Gustav ist gut „verpackt“. Gleich geht es mit Mutti Conny zum Spaziergang an die frische Luft. Die 16-Jährige nimmt sich genauso wie ihre Mitbewohnerin Jessica, aber kurz noch die Zeit, der RUNDSCHAU ein paar Fragen zu beantworten. Derweilen lässt sich die anderthalbjährige Nele, die Tochter der 19-jährigen Jessica, ein Lebkuchenstern schmecken. Beide jungen Muttis gehören zur Mutter-Kind-Wohngruppe II im StattRand in Weißwasser. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Jessica. Conny bestätigt das ebenso.
Begleitende Hilfe
Beide Mädchen brauchen mit ihren Kindern die Hilfe. Das wissen sie und sie sind dankbar dafür, dass sie diese im StattRand erhalten. „Ich hatte kein Zuhause“, sagt Jessica, als sie schwanger im Kinder- Jugend- und Familienhaus vor fast zwei Jahren eine Aufnahme fand. Sie könnte es jetzt verlassen, in eine eigene Wohnung ziehen. „Ich bleibe weiter hier, weil ich noch Hilfe brauche“, schätzt sie selbst ein. Auch Conny wird mit ihrem Gustav noch mindestens bis sie 18 Jahre ist im StattRand bleiben und in der Zwischenzeit auf ein selbstständiges, verantwortungsvolles Leben als junge Mutter mit Kind vorbereitet werden.
Die äußeren Bedingungen haben sich dafür erheblich verbessert. Das Stammhaus an der Muskauer Straße hat in den zurückliegenden Monaten umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten erfahren. So haben die Muttis mit ihren Kindern nun eigene Appartements. „Wir nehmen den Muttis nicht die Arbeit ab, wir begleiten sie“, erklärt Mitarbeiterin Anja Kolbitz bei einem Rundgang. Dazu gehöre auch, dass die Muttis ihre Zimmer selbst in Ordnung halten müssen. „Wir haben ein Punktesystem erarbeitet. Wenn die Frauen 20 Punkte zusammenhaben, dürfen sie sich eine kleine Überraschung aussuchen“, erklärt sie. Und das System zeige Erfolg.
Koch-Projekt
Von Erfolg gekrönt, war auch der Antrag vom StattRand bei der Sparkassenstiftung Oberlausitz-Niederschlesien. 5000 Euro konnte beim Tag der offenen Tür durch den Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Gerhard Winter und das Stiftungsratsmitglied und CDU-Landtagsabgeordneten Lothar Bienst übergeben werden. Diese Geld findet für das Projekt „Koch mit mir“ Verwendung. Die neue Küche dafür konnten am Donnerstag alle in Augenschein nehmen. In dieser lernen die jungen Muttis kochen. „Wir wollen das Projekt auch für Muttis in Weißwasser anbieten“, sagt Mitarbeiterin Anja Riesner. „So sollen die Frauen lernen, dass man Kindern gekochte Möhren mit Kartoffeln anbieten kann, dass dies sparsames kochen ist“, sagt Mandy Köhler, Geschäftsführerin der StattRand gGmbH. „Es muss wieder bewusster werden, das Kochen mehr ist, als nur Büchse aufmachen“, so Lothar Bienst.

Mitarbeiterin Liane Jurz zeigt stolz die Waren, die Mitarbeiter und Bewohner gemeinsam angefertigt haben. Fotos: Regina Weiß
„Wir möchten mehr nach außen ausstrahlen. Viele denken nach wie vor, wir sind hier das Kinderheim“, benennt Mandy Köhler ein Vorurteil, gegen das man ankämpft. Dabei sei das Angebot und die Arbeit im Haus sehr vielfältig. Zwölf Plätze für junge Muttis mit Kinder hält man bereit. Zehn sind derzeit besetzt. Zwei Plätze gibt es für die Inobhutnahmestelle für Kinder- und Jugendliche. Acht Plätze sind für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Fünf Kinder werden in der Fünf-Tage-Woche betreut. Nicht zu vergessen das Familienbildungsprojekt. Hinzu kommen Außenwohngruppen in Niesky, Rothenburg und Görlitz. 54 Mitarbeiter kümmern sich Bereichen um die Belange der Kinder und Jugendlichen.
von Regina Weiß
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Lausitzer Rundschau vom 7.10.2011:
Tagebau-Senioren spenden für Statt Rand
Jedes Jahr, wenn sich die Mitglieder des Seniorenvereins der Tagebaue Nochten/Reichwalde zu einer gemeinsamen Veranstaltung treffen, spenden sie Geld für eine gute Sache. Empfänger von 300 Euro ist der Statt-Rand in Weißwasser, ein Kinder-, Jugend- und Familienhaus.Die Spende ist in dieser Woche übergeben worden, informierte Klaus Hübner vom Seniorenverein.

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Lausitzer Rundschau vom 14.07.2011:
Holzkünstler Thomas Schwarz gestaltet Baum-Relief
Aus drei alten Pappel-Stämmen auf dem Grundstück des Eltern-Kind-Hauses „StattRand“ soll in den nächsten Wochen ein überdachtes Insektenhotel entstehen. In dieser Woche schnitzt der Holzkünstler Thomas Schwarz aus Schleife in den dicksten der drei Stämme ein Holz-Relief.
„Auf dem Relief soll später die Metamorphose eines Schmetterlings zu sehen sein. Die Bildung von der Raupe zur Puppe bis hin zum Schmetterling“, erklärt Thomas Schwarz. Der Holzkünstler, der sich seit zehn Jahren mit dem Anfertigen von Holzskulpturen beschäftigt, will zusammen mit Roland Mickan, dem ökologischen Hausmeister des Hauses, und einigen Jugendlichen ein einzigartiges und unverkennbares Insektenhotel schaffen. ang
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Sächsische Zeitung vom 24.03.2010:
Gasthof Amselgrund öffnet wieder täglich
Kerstin Grafe, die derzeitige Betreiberin der Alten Jugendherberge in Neugersdorf, leitet ab April auch diese Gaststube.
Im Beiersdorfer Gasthof und Hotel „Amselgrund“ sollen Gäste künftig regelmäßig speisen und nächtigen–nicht nur nach Anmeldung wie bisher. Um die Belange der Besucher wird sich dann nicht mehr Hotelinhaber Hartmut Stolz, sondern Kerstin Grafe von der Alten Jugendherberge in Neugersdorf kümmern. „Ich freue mich darauf, meine Arbeit künftig mehr auf die Betreuung von Gästen und speziell von Menschen mit Handicap auszurichten“, erklärt sie. Dafür hat sie während der letzten zwei Jahre eine Weiterbildung als Meister der Hauswirtschaft absolviert. Ab dem 2. April wird der regelmäßige Gaststättenbetrieb offiziell eröffnet. Ab zehn Uhr können die Gäste am verlängerten Osterwochenende vor Ort einheimische Gerichte kosten. Am Ostersonnabend und -sonntag bieten Kerstin Grafe und ihr Team außerdem Osterbrunch an. Vom Frühstücksbüfett mit gekochten Eiern über Lammkeule auf Heu gegart bis hin zu Kaffee und Kuchen soll das Angebot dann reichen. Kein Kneipphotel mehr Mit einer Besatzung von drei Mann will sie künftig testen, ob ihre Ideen bei welcher Art von Publikum ankommen. Im Mai bietet sie beispielsweise Übernachtungen mit geführten Wanderungen im Paket an. „Wir bleiben weiter behindertengerecht und gesundheitsbewusst“, erklärt sie. Die Zertifizierung als anerkanntes Kneipphotel fällt allerdings künftig weg, weil Hartmut Stolz nicht wie bisher als Hotelchef arbeitet und so an den regelmäßigen Schulungen nicht teilnehmen kann. „Deshalb lautet die Bezeichnung für das Haus künftig nur „Gasthof Amselgrund“, erklärt Kerstin Grafe, die im Auftrag von Hartmut Stolz das Haus leitet. An den Kneipp’schen Theorien will der Gasthof Amselgrund aber weiterhin festhalten. „Unsere Gäste können im Garten Wassertreten und die Sauna nutzen“, ergänzt Grafe. Bei Reisegruppen sind in dem barrierefreien Hotel auch Menschen mit Behinderung weiter gern gesehene Gäste. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir eines Tages Menschen mit Handicap vor Ort ausbilden“, erklärt Grafe. Das Jahr 2010 wird für Kerstin Grafe sehr arbeitsreich werden. Bis Ende Dezember bleibt sie die Leiterin der Neugersdorfer Alten Jugendherberge, dann läuft ihr Vertrag aus. In der Zwischenzeit muss sie ihre Arbeitskraft auf zwei Häuser aufteilen. „Wenn ich aber im Beiersdorfer Amselgrund bin, dann kümmert sich natürlich trotzdem jemand um die Gäste in Neugersdorf“, versichert Grafe. Weniger Gäste in Neugersdorf Auf ihr Jugendherbergsteam könne sie sich schließlich verlassen. Leider würden in der Zeit der Wirtschaftskrise auch etwas weniger Geschäftsleute zum Übernachten in die Jugendherberge kommen. Der Mann von Kerstin Grafe arbeitete als Schwimmmeister im Neißebad in Görlitz im Schichtdienst, und bald ziehen sie in ein Haus in Großschönau. „Da müssen wir uns schon genau absprechen, wenn wir einen gemeinsamen Tag verbringen wollen, erklärt sie.

Die Bewohner und das Personal des Kinder-Jugend- und Familienhauses „Statt Rand“ aus Weißwasser gehören zu den ersten Gästen von Kerstin Grafe (Mitte) vom Hotel und Gasthof „Amselgrund“ in Beiersdorf. Sie erhalten hier die Schlüssel für ihre Zimmer. Foto: Steffen Scholz
Von Madeleine Friedrich
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Lausitzer Rundschau vom 20.02.2010:
Familienzentrum baut sechs neue Appartments ein
Schluss mit dem Stress: Sechs neue Appartements sorgen im gemeinnützigen Kinder-, Jugend- und Familienhaus „Statt Rand“ künftig für mehr Freiraum. Bisher waren die Mütter mit psychischer Behinderung auf ein einziges Badezimmer am Ende des Flurs im ersten Stock angewiesen. „Dass das immer wieder zu Konflikten führt, kann sich jeder denken“, meint Geschäftsführerin Mandy Köhler. Während Mütter mit geistiger Behinderung die Gemeinschaft suchen, haben Mütter mit psychischer Behinderung ein stärkeres Bedürfnis nach Individualität.
Der Umbau mit Kinderzimmer, einem eigenen Raum für die Mutter und einem Badezimmer wird dem gerecht. Damit sich die Betroffenen nicht ganz einigeln, entsteht ein großer, lichter Aufenthaltsraum neu. Außerdem müssen sie sich in einer Gemeinschaftsküche arrangieren. Um weiteres Stresspotential klein zu halten, sind sie mit ihren Kindern derzeit im Urlaub.
Die Bauarbeiten bergen indes Tücken. Der Putz, der bei einem Umbau nach der Wende aufgebracht wurde, enthielt zu wenig Zement. Jetzt fällt er einfach ab. „Wir müssen fast jede Wandfläche neu putzen“, erläutert Karl-Heinz Salm vom Planungsbüro Bauplan Concept aus Neukirch. Jeden Tag warten neue Überraschungen. Salm und seine Mitarbeiter müssen sich darüber hinaus mit fehlenden Bauunterlagen rumschlagen. Von Baupfusch will er nicht sprechen, doch wurden die Bäder Anfang der 90er direkt auf die Holzbalken gebaut, ohne eine Nässesperre einzuziehen. Als Folge der ganzen Schwierigkeiten musste das Bauende verschoben werden. Bis im April sollen die Appartements jedoch bezugsfertig sein.
Für Mandy Köhler, ihre Mitarbeiter und die Mütter verursachen die Bauarbeiten Schwierigkeiten ganz anderer Art. Vier Mütter teilen sich derzeit das ehemalige Büro der Geschäftsführerin, inclusive Kindern. Sie selbst residiert nun unterm Dach. Drei ihrer Mitarbeiter teilen sich momentan zwei Schreibtische. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Doch in diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel. Die finanziellen Mittel bringt das „Statt Rand“ übrigens komplett selbst auf. „Spenden sind mehr als willkommen“, sagt Mandy Köhler.
Spendenkonto: Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, Bankleitzahl 850 50 100, Kontonummer 3000 126 901.
Von Thomas Staudt
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Lausitzer Rundschau vom 17.02.2010:
„Das Leiden der Schwächsten“
Jedes sechste Kind in Deutschland wächst mit suchtkranken Eltern auf. Um darauf aufmerksam zu machen, findet bis zum 20. Februar die erste bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt. Die RUNDSCHAU sprach dazu mit Andreas Kößler. Der Sozialpädagoge vom Weißwasseraner Kinder-, Jugend- und Familienhaus StattRand engagiert sich für das Thema.
Inwiefern leiden Kinder unter der Sucht ihrer Eltern?
Wenn ein Elternteil süchtig ist, dreht sich alles in der Familie um die Sucht, ob bewusst oder unbewusst. Die Kinder stehen oft zwischen den Fronten und müssen zum Teil schon eine Verantwortung übernehmen, der sie nicht gewachsen sind, sie können nicht Kind sein. Oft macht sie das zum Außenseiter unter Gleichaltrigen.
Welche Folgen kann die Sucht der Eltern für Kinder haben?
Die Aktionswoche lehnt sich an die „Children of Alcoholics Week“, die in den USA immer in der Woche um den Valentinstag stattfindet, an. Ziel ist, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für die Problematik zu erhöhen. Der Aufruf, die Woche auch in Deutschland zu etablieren, ging von der zweiten Strategiekonferenz „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ und dem Verein Nacoa, der sich als Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien versteht, aus. An der Konferenz, die im Januar in Berlin stattfand, habe ich teilgenommen. So kam die Idee nach Weißwasser.
Gibt es in Weißwasser Infoveranstaltungen?
In der Kürze der Zeit war das leider nicht zu machen. Ich kann mir aber vorstellen, dass man für die nächste Aktionswoche ein Angebot für Interessierte entwickelt. Außerdem wäre es toll, wenn man in Weißwasser einen Anlaufpunkt für betroffene Kinder und Jugendliche schaffen könnte. Vielleicht ist es eine Idee, eine Spielgruppe für betroffene Kinder einzurichten, um Zugang zu anderen zu ermöglichen, die ähnliche Sorgen haben. Aber das ist sicher auch ein Prozess der sich vielleicht auch im Zusammenhang mit der Suchtberatungsstelle entwickeln kann.
Können Außenstehende etwas für betroffene Kinder tun?
Wenn Außenstehende wie Lehrer oder Freunde ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern haben, sollten sie sie auf jeden Fall ansprechen und ein Gesprächsangebot machen. Die Botschaft, die vermittelt werden sollte, ist: „Es ist nicht deine Krankheit, du bist nicht schuld und du kannst nichts dagegen tun.“ Es ist gut, wenn Kinder wissen, dass sie nicht alleine sind und dass ihnen das Thema nicht peinlich sein muss – das kann Entlastung schaffen.
Mehr Infos auch für Betroffene auf der externen Homepage: www.nacoa.de
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Lausitzer Rundschau vom 10.01.2010:
„Ich bewundere diese Arbeit“
Für große Freude hat in dieser Woche Siegfried Körber im Kinder-, Jugend- und Familienhaus StattRand des Diakonischen Werkes in Weißwasser gesorgt. Der Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedete bisherige Leiter Tagebaue bei Vattenfall hat für die Einrichtung 2700 Euro gesammelt. Geld, das er sich zu seinem 60. Geburtstag anstatt Blumen oder Geschenken gewünscht hatte.
Mandy Köhler, die Leiterin vom StattRand, strahlt übers ganze Gesicht. „Ich freue mich total. Das hat noch niemand gemacht.“ Dank dieser Spende können neun junge Muttis mit ihren zwölf Kindern, die dank des Mutter-Kind-Projektes im StattRand leben, Urlaub machen. „Das kennen die meisten ja gar nicht.“ Am 8. Februar geht's los. Für zwei Wochen geht es ins Oberlausitzer Beiersdorf.
Vor etwa zwei Jahren hatte Siegfried Körber den StattRand und dessen Bewohner kennengelernt. Damals war er als Spendenbote des Energiekonzerns hier. „Das hat mich damals tief beeindruckt. Es ist eine total andere Welt für mich.“ Mütter mit Behinderungen lernen hier, verantwortungsvoll mit ihren Kindern umzugehen, sich liebevoll um sie zu kümmern. „Sie fangen sicherlich jeden Tag von vorn an. Ich bewundere ´Ihren Job, aber es wäre nichts für mich. Ich muss sehen, dass Arbeit fertig ist“, gibt Körber zu.
So war es während seines gesamten Berufslebens, und daran werde sich auch jetzt nichts ändern. Denn der Jämlitzer, der auch viele Jahre Chef im Tagebau Nochten war und sich tief in der Region verwurzelt fühlt, ist seit einigen Tagen Ruheständler. Diese Phase hat er an seinem 60. Geburtstag am 28. Dezember eingeläutet (die RUNDSCHAU berichtete). „Ich wollte keine Blumen, keine Geschenke, sondern habe darum gebeten, das Geld auf das Konto vom StattRand einzuzahlen. Ich dachte, dort ist es gut aufgehoben.“ Siegfried Körber freut sich, dass 2700 Euro zusammengekommen sind. „Ich weiß zum Beispiel, dass Lothar Kubitz von SKM Reichwalde die Aktion kräftig unterstützt hat. Das ist vielleicht auch ein kleines Dankeschön an Vattenfall, denn SKM gehört zu den Firmen, die wir als Laubag einst ausgegründet haben und nun seit vielen Jahren stabil sind“, so Körber.
Die Feier sei sehr schön gewesen. „Einige haben dann doch etwas geschenkt. Dazu gehört ein holzgeschnitzter Bergmann in Lebensgröße, und der soll mir ähnlich sehen, meinen die Kollegen“, erzählt Körber schmunzelnd. Isolde Kern, die für die Vattenfall-Zeitung seit Jahren schreibt und fotografiert, habe ihn mit einem Fotobuch überrascht. „Schöne Erinnerungen.“ Außerdem habe er von Kollegen einen Altersruhesitz bekommen im Findlingspark Nochten. „Das Schild mit meinem Namen habe ich schon, die Bank wird dann im Frühjahr aufgestellt.“ Sie kann aber gern von anderen Besuchern genutzt werden.
„Dass zu meiner Verabschiedung alle Bürgermeister aus der Region kamen, hat mich tief beeindruckt und mit Stolz erfüllt“, bekennt der 60-Jährige. Ihme habe all die Jahre sehr der gute Kontakt zu den Gemeinden am Herzen gelegen. Das bedeutete Zuhören können, Verständnis aufbringen, nach Lösungen suchen, wenn irgendwo die Säge klemmt. Eben Partner sein.
Die Kontakte will Siegfried Körber nicht abreißen lassen. Kann er wohl auch gar nicht. Seit die Leute wissen, dass er jetzt zu Hause ist, bimmelt laufend das Telefon. „Alle rufen auf einmal an. Nach unserem Urlaub ist der Terminkalender dann ab Februar wieder voll. Ich werde mich also keineswegs in Jämlitz verbarrikadieren, sondern mich in Vereinen und so weiter verstärkt nützlich machen.“ Da sind unter anderem der Vorsitz des Fördervereins Bergbaumuseum Knappenrode und der Rotary Club Weißwasser, wo sich Siegfried Körber engagiert. Und dann freut er sich auf die Motorradtouren mit seiner BMW R 11 R, sagt Körber, den man in seiner Heimatregion ansonsten oft mit seiner Frau bei Radtouren trifft. „Mein Freund Bernd Lipinski, der frühere Kraftwerkschef in Boxberg, hat mich vor sieben Jahren dazu gebracht. Drei Touren machen wir mit den Biker-Freunden von hier und aus dem Rheinland in jedem Jahr: im Frühjahr sind unsere Frauen dabei, im Sommer geht es in die Alpen und im Herbst sind wir in Deutschland unterwegs.“
Im April wird Siegfried Körber zum vierten Mal Großvater. „Mal gucken, was es wird. Bisher sind es alles Enkeltöchter.“ Beide Söhne leben mit ihren Familien in den Altbundesländern. „Einer ist auch Bergbauingenieur und arbeitet bei RWE, der andere ist Lehrer an einem Gymnasium in Uelzen.“ Im Sommer starten die drei Körber-Männer zur Angeltour nach Kanada. „Das ist ihr Geburtstagsgeschenk für mich, und ich freue mich sehr drauf.“
Von Gabi Nitsche



